Zur aktuellen Lage und den Auswirkungen auf die Kindertagesbetreuung

Minister Dr. Joachim Stamp schreibt am 6.11. 2020 Einrichtungen, Betreuer*innen und den Eltern:

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit März leben wir nun mit dem Coronavirus und sind seitdem viele schwierige Schritte miteinander gegangen. Das pädagogische Per-sonal in den Kitas und die Kindertagespflegepersonen haben im Frühjahr die Angebote frühkindlicher Bildung in Zeiten einer nie dagewesenen pandemischen Situation aufrechterhalten und sind im Sinne der Kinder unter großem persönlichen Einsatz die Öffnungsschritte mitgegangen. Neben all den Ängsten, Sorgen und Herausforderungen, die es zu bewältigen galt, wurde unter schwierigen Bedingungen die Rückkehr in den Regelbetrieb herausragend gemeistert. Ohne Ihr Engagement für die Kinder und Ihr beherztes Handeln vor Ort wäre das alles nicht möglich gewesen. Das verdient unseren Respekt. Ich habe das schon oft gesagt, aber ich meine es auch so: Ich danke Ihnen für Ihren großartigen Einsatz!

Nun sind wir erneut mit einer hochdynamischen pandemischen Lage konfrontiert. Die aktuelle Situation hat in der Kindertagesbetreuung und bei den Familien in Nordrhein-Westfalen gewiss zu einer großen Verunsicherung geführt. Mit dem Beschluss der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder werden nun im November ein weiteres Mal große Teile des gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens zeitlich begrenzt heruntergefahren. Die Angebote der Kindertagesbetreuung sind davon ausdrücklich ausgenommen.

Ich habe diese Position sehr früh in dieser Pandemie vertreten und tue dies auch jetzt: Kinder haben ein Recht auf frühkindliche Bildung auch in Zeiten einer Pandemie. Die Zeit des Betretungsverbotes hat uns wie unter einem Brennglas gezeigt, wie unverzichtbar die Frühe Bildung ist. Ein anregungsreiches Umfeld, das freie Spiel und der Kontakt mit Gleichaltrigen, die vertrauensvolle Beziehung zu den pädagogischen Kräften in der Kita sowie zu den Kindertagespflegepersonen, frühkindliche Bildungsangebote und individuelle Förderung, Sprachförderung, notwendige therapeutische An-gebote im Umfeld der Kindertagesbetreuung, bis hin zum gemeinsamen gesunden Mittagessen – die Kindertagesbetreuung ist zentraler Bestandteil im Leben der Kinder und ihrer Familien und unverzichtbar für Chancengleichheit, Integration und Kinderschutz sowie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie ist mehr als systemrelevant.

Deshalb habe ich Kindern und Familien bereits im September eine Bildungs- und Betreuungsgarantie gegeben. Es wird keine landesweite Schließung von Kitas und Angebote der Kindertagespflege mehr geben. Was aber auch völlig klar ist, das wissen Sie alle genau wie ich: Das ist ein Regelbetrieb in einer Pandemie und somit unter einzigartigen und extrem herausfordernden Bedingungen.

An jedem Tag müssen in der Kita und Kindertagespflege eine Fülle von Entscheidungen getroffen und zahlreiche Probleme gelöst werden. Das betrifft den pädagogischen Alltag insgesamt, die Ausgestaltung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kindertagesbetreuung – immer in Abstimmung mit dem Träger und unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens und in Abwägung der Interessen der Beschäftigten, der Kinder, der Eltern und Familien. Das ist keine leichte Aufgabe. Ich will an dieser Stelle dem pädagogischen Personal und den Kindertagespflegepersonen daher noch einmal ausdrücklich den Rücken stärken: Die Lösungen, die Sie vor Ort finden, um Bildung, Erziehung und Betreuung weiter zu leisten und die Entscheidungen, die Sie für den pädagogischen Alltag treffen,sind Ausdruck Ihrer fachlichen Expertise und haben die volle Rückendeckung des Kinder- und Jugendministeriums.


Wir wollen Sie in Ihrer pädagogischen Arbeit bestmöglich unterstützen und entlasten. Die Landesregierung hat daher mit dem „Kita-Helfer-Programm“ im Sommer ein Programm zur Unterstützung im nicht-pädagogischen Bereich gestartet. Dass dieses Programm so gut angekommen ist, freut mich sehr. Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen, dass der Einsatz der Kita-Helferinnen und Helfern die Fachkräfte in den Einrichtungen entlastet und Zeit schafft für die so wichtige pädagogische Arbeit. Ich habe mich sehr für eine Verlängerung eingesetzt und freue mich, dass ich Ihnen jetzt mitteilen kann, dass wir das Programm auch im nächsten Jahr, bis zum Ende dieses Kindergartenjahres am 31. Juli 2021, weiterführen werden. Darüber hinaus werden wir den Kitahelferinnen und Kitahelfern eine anschließende Weiterqualifizierung anbieten.

Seit Beginn der Pandemie befindet sich mein Ministerium im regelmäßigen Austausch mit den Trägern der Kindertagesbetreuung, die uns kontinuierlich über die Entwicklungen und über die Rückmeldungen aus der Praxis der Kitas und der Kindertagespflege informiert haben. Wir konnten hier feststellen, dass der Regelbetrieb insgesamt erfolgreich angelaufen ist. Es gab Infektionsfälle, aber es waren keine größeren Infektionsgeschehen in der Kindertagesbetreuung zu beobachten. Auch wissenschaftliche Studien wie die Frankfurter Kita Studie geben bisher keine Hinweise darauf, dass von Kindern ein erhöhtes Infektionsrisiko ausgeht. Das heißt weiterhin nicht, dass Kinder nicht infektiös sind und es nicht auch zu Ansteckungen im Team kommen kann.

Mit dem aktuell wieder dynamischen Infektionsgeschehen und damit steigenden Infektionszahlen haben sich daher auch die Sorgen wieder vergrößert. Fragen im Umgang mit der Pandemie prägen den Alltag in der Kindertagesbetreuung wieder stärker als noch im Sommer. Um Sie hier weiter zu unterstützen, erhalten Sie parallel zu meinem Schreiben Informationen und Materialien (im Download unter diesem Schreiben). Die individuelle Ausgestaltung muss aber selbstverständlich immer so erfolgen, wie es zu den personellen, räumlichen und pädagogischen Bedingungen des Kindertagesbetreuungsangebotes passt. Außerdem werden wir den Beschäftigten in den Kindertageseinrichtungen und den Kindertagespflegepersonen noch einmal 2 Millionen FFP2-Masken zur Verfügung stellen.

Mit Blick auf die kommenden Monate ist davon auszugehen, dass angesichts des steigenden Infektionsgeschehens weitere Fragen und Probleme auf uns zukommen werden. Das gilt für die Praxis vor Ort, für die Trägerlandschaft und auch für die Landesverwaltung. Nicht auf alles kann es in dieser aktuell wieder so dynamischen Lage sofort eine Antwort geben. Wir bleiben im ständigen Austausch mit den Trägern der Kindertagesbetreuung, um gemeinsam aktuelle Entwicklungen zu bewerten, Lösungen zu diskutieren und auch zu reagieren. Dabei ist aus unseren Erfahrungen der letzten Monate eines klar: Es gibt leider nicht die eine Lösung gegen diese Pandemie – so sehr wir uns das alle herbeisehnen. Es gibt zahlreiche Bausteine, die von den Beschäftigten in der Kindertagesbetreuung, den Kindertagespflegepersonen und den Eltern vor Ort verantwortungsvoll umgesetzt werden müssen. Das erfordert auf allen Seiten eine enorme Bereitschaft, sich mit der aktuellen Situation auseinanderzusetzen. All dies stellt an die Kitaleitungen, das pädagogische Personal und die weiteren Beschäftigten, die Kindertagespflegepersonen, aber auch die Eltern extrem hohe Anforderungen. Dass sich alle Beteiligten dem täglich stellen, verdient höchste Anerkennung.

Das gemeinsame Ziel, Kindern den Besuch ihrer Kita, ihrer Kindertagespflegestelle zu ermöglichen, wird uns allen viel abverlangen. In diesem Sinne: Passen Sie aufeinander auf und nehmen Sie Rücksicht aufeinander! Nur in gemeinsamer Anstrengung werden wir diese Situation bewältigen. Wir als Land bleiben dabei auch weiterhin an Ihrer Seite und werden Sie, in enger Abstimmung mit den Trägern, durch diese Pandemie begleiten.

Herzliche Grüße
Ihr
Dr. Joachim Stamp


Aus aktuellem Anlass:

Was tun, wenn das Kind sich in der Corona-Zeit unwohl fühlt? Leitungkraft der Kita Hannes, Ines Fietze, hat für Eltern ein Schaubild erarbeitet, das eine Hilfestellung bietet:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den letzten Monaten sind wir viele Schritte gemeinsam gegangen: vom Betretungsverbot für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen mit einem Notbetreuungsangebot für Personen der kritischen Infrastruktur, über eine erweiterte Notbetreuung bis hin zum eingeschränkten Regelbetrieb. Sie, die Beschäftigten in den Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegepersonen, haben es innerhalb kürzester Zeit geschafft, in der Pandemie einen neuen Alltag nicht nur zu organisieren, sondern auch unter den gegebenen Bedingungen pädagogisch wertvoll und liebevoll zu gestalten. Das war ein unglaublicher Kraftakt! Auch Sie, liebe Eltern, haben diesen Kraftakt geleistet und vor allem die Kinder, die für uns alle im Mittelpunkt stehen.


Viele Familien, aber auch die Beschäftigten in den Kindertageseinrichtungen und die Kindertagespflegepersonen bewegt in den letzten Wochen die Frage, wann die Rückkehr zum Regelbetrieb stattfinden kann. Wann können die gewohnten pädagogischen Konzepte wieder umgesetzt werden? Wann können die vertraglich vereinbarten Betreuungsumfänge wieder angeboten und genutzt werden? Wann kann auf die strikte Trennung der Gruppen verzichtet werden?

Für mich stand immer fest: zum Schutz aller, der Beschäftigten und der Kindertagespflegepersonen, der Kinder und auch der Eltern kann der Regelbetrieb nur aufgenommen werden, wenn dies der Infektionsschutz zulässt. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Zum 17. August gehen wir – unter Berücksichtigung der nach wie vor bestehenden Pandemie – wieder in den Regelbetrieb.


Der eingeschränkte Regelbetrieb war ursprünglich befristet bis zum 31. August. Dass wir nun etwas früher als geplant mit dem Regelbetrieb starten, ist insbesondere dem Wunsch geschuldet, grundsätzlich einen Gleichklang mit Schule herzustellen. Dort soll mit dem Beginn des neuen Schuljahres am 12. August der Regelbetrieb aufgenommen werden. In enger Absprache mit den Trägern und Kommunen haben wir uns für die Kindertagesbetreuung nun für den Beginn auf den 17. August verständigt, um auch denen, die ihre Ferienschließzeiten in der zweiten Hälfte der Schulferien haben, genug Vorbereitungszeit für diesen nächsten Schritt einzuräumen.


Vor allen bisherigen Öffnungsschritten stand eine sorgfältige Abwägung zwischen dem Infektionsschutz, dem Gesundheitsschutz aller Beteiligten, den Rechten der Kinder und den Interessen der Familien. Diese Abwägung war immer schwierig. Auch die jetzige Entscheidung habe ich mir nicht leichtgemacht und mich in Gesprächen mit Trägern und Kommunen, Gewerkschaften, anderen Landesressorts, Kinderärztinnen und -ärzten intensiv beraten und bei der Entscheidung sowohl wissenschaftliche Ergebnisse als auch die Erfahrungen aus dem eingeschränkten Regelbetrieb berücksichtigt.


In der Zeit des eingeschränkten Regelbetriebes in der Kindertagesbetreuung ist es bislang zu keinem größeren Infektionsgeschehen gekommen. Mit einer Begleitstudie haben wir das am Modellstandort Düsseldorf auch wissenschaftlich untersuchen lassen. Insgesamt wurden 5.210 Personen in 155 Düsseldorfer Kitas über einen Zeitraum von vier Wochen zweimal wöchentlich auf eine Corona-Infektion getestet. Wir wollten mit der Studie Erkenntnisse darüber gewinnen, ob es in den Kita-Gruppen zu Infektionsketten kommt und ob von Kindern ein erhöhtes Infektionsrisiko ausgeht. Darauf gibt es nach den bisherigen Ergebnissen keine Hinweise. Den Zugang der Kinder zu frühkindlicher Bildung auf dieser Basis weiter einzuschränken, ist aus meiner Sicht nicht vertretbar.


Was ich aber auch ganz offen sagen will: Die Studienergebnisse können bisher auch nicht bestätigen, dass Kinder gar nicht infektiös sind. Mit diesem Risiko der Pandemie müssen wir lernen zu leben und bestmöglich umzugehen – das gilt für unseren Alltag generell und es gilt auch für den Alltag in der Kindertagesbetreuung. Deshalb haben wir für die Aufnahme des Regelbetriebs in Zeiten der Pandemie begleitende Empfehlungen verfasst, die beispielsweise Hygienemaßnahmen oder den Umgang mit Krankheitssymptomen betreffen. Ich bin zuversichtlich, dass wir in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsbereich zu praktikablen Empfehlungen gekommen sind, die auch weiterhin den bestmöglichen Schutz der Beschäftigten, Kindertagespflegepersonen und Kinder gewährleisten. Auch zur Frage der Betreuung von Kindern mit Schnupfen, die uns in den letzten Wochen sehr beschäftigt hat, haben wir in die Empfehlungen einen mit Kinderärztinnen und Kinderärzten abgestimmten Vorschlag aufgenommen, der die Interessen von Kindern und Eltern und den Schutz der Beschäftigten und Kindertagespflegepersonen berücksichtigt. Wichtig ist und bleibt, dass Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen sich gemeinsam mit den Eltern auf verantwortbaren Regelungen verständigen. Die detaillierte Regelung, die ab sofort gültig ist, finden Sie in der beigefügten „Offiziellen Information zum Umgang mit Krankheitssymptomen“.


Mir ist bewusst, dass die Öffnungsschritte der Kindertagesbetreuung bei allen Beteiligten immer auch mit Ängsten verbunden waren und sind. Auch wenn wir im eingeschränkten Regelbetrieb keine größeren Infektionsgeschehen beobachten konnten, bleiben diese Sorgen nachvollziehbar und ich nehme sie unverändert sehr ernst. In diesem Zusammenhang freue ich mich, dass wir dem Wunsch der Beschäftigten und Kindertagespflegepersonen nach regelmäßigen Corona-Tests nun nachkommen können.

Ab dem 03.08.2020 erhalten alle Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen sowie Kindertagespflegepersonen das Angebot, sich bis zu den Herbstferien (09.10.2020) 14-tägig freiwillig und kostenlos testen zu lassen. Insgesamt werden wir die Entwicklung des Infektionsgeschehens weiterhin ganz genau beobachten und Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit von Kindern und Beschäftigten ergreifen, sollten sie notwendig werden.


Neben den Ängsten und Sorgen und den Herausforderungen habe ich in den letzten Wochen aber auch erlebt, dass die Rückkehr in die Kita oder Kindertagespflege bei Kindern, pädagogischen Kräften und Kindertagespflegepersonen eine große Freude ausgelöst hat. Lassen Sie uns in diesem Sinne den Weg in den Zeiten dieser Pandemie gemeinsam weitergehen. Gemeinsam werden wir diese schwierige Zeit meistern. Ich danke Ihnen für Ihr großartiges Mitwirken.

Herzliche Grüße
Ihr
Dr. Joachim Stamp


Infos zum Eingeschränkten Regelbetrieb

Presseinformation - 399/05/2020

Öffnung der Kindertagesbetreuung im eingeschränkten Regelbetrieb

Minister Stamp: Ab 8. Juni können alle Kinder in reduziertem Umfang zur Kindertagesbetreuung gehen
Das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration teilt mit:

Nordrhein-Westfalen setzt sein klares Konzept der schrittweisen Öffnung der Kindertagesbetreuung unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens konsequent fort. Ab dem 28. Mai 2020 erfolgt wie geplant die Öffnung der Kindertageseinrichtungen für alle Vorschulkinder. Am 8. Juni geht Nordrhein-Westfalen den nächsten Schritt seines Öffnungsplans und wechselt von der erweiterten Notbetreuung in den eingeschränkten Regelbetrieb. Alle Kinder können dann in reduziertem Umfang wieder ihre Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege besuchen.


Familienminister Joachim Stamp: „Ich weiß, dass viele Familien in den letzten Wochen an die Grenze ihrer Belastbarkeit gekommen sind und vielen Kindern ohne frühkindliche Bildung täglich Chancen genommen werden. Es war mein fester Vorsatz, allen Kindern schnellstmöglich wieder ein Betreuungsangebot zu ermöglichen, sofern das verantwortbar ist. Daher bin ich sehr froh, dass wir angesichts des rückläufigen Infektionsgeschehens den nächsten Schritt unseres Öffnungsplans von der erweiterten Notbetreuung zu einem eingeschränkten Regelbetrieb gehen können.“


Für den Fall sinkender Infektionszahlen hat das nordrhein-westfälische Familienministerium frühzeitig konzeptionelle Vorschläge unter interdisziplinärer wissenschaftlicher Begleitung aus Kindheitspädagogik und Hygiene erarbeitet, wie Kita und Kindertagespflege in Zeiten von Corona einen Betrieb mit steigender Anzahl von Kindern ermöglichen können. Der eingeschränkte Regelbetrieb erfolgt im Rahmen des Infektionsschutzes. Zudem gibt das Land den Trägern Zeit, um die notwendige Umstellung sorgfältig vorbereiten zu können. Der eingeschränkte Regelbetrieb ab dem 8. Juni ist wie alle Schritte des Öffnungskonzepts eng mit den Kommunen und allen anderen Trägern abgestimmt.


Eingeschränkter Regelbetrieb der Kindertagesbetreuung ab 8. Juni:

  • Das Betretungsverbot für Kitas und Kindertagespflege wird aufgehoben;
  • die bisherige Notbetreuung wird aufgelöst;
  • alle Kinder dürfen wieder zu einem reduzierten Betreuungsum-fang von 35, 25 und 15 Stunden pro Woche statt 45, 35, 25 in die Kita kommen;
  • Kitas, die sich aufgrund räumlicher und personeller Kapazitäten in der Lage sehen, ein höheres Stundenangebot zu realisieren, können dies in Absprache mit den zuständigen Aufsichtsbehörden ermöglichen;
  • Kitas, die aufgrund der Personalsituation außer Stande sind, dieses Angebot zu erbringen, können in Absprache mit dem örtlichen Jugendamt auch nach unten abweichen; dies sollte nur in Ausnahmefällen geschehen;
  • Fälle des Kinderschutzes und besondere Härtefälle sind beim Betreuungsumfang zu berücksichtigen.
  • Der eingeschränkte Regelbetrieb ab dem 8. Juni gilt auch für Kinder, deren Eltern in der bisherigen Notbetreuung im Einzelfall eine umfangreichere Betreuung in Anspruch nehmen konnten.

Familienminister Stamp: „Ich appelliere an die Solidarität aller Eltern. Der Übergang in diese neue Phase des eingeschränkten Regelbetriebs wird eine große Herausforderung. Nicht alles wird reibungslos verlaufen. Die Bereitschaft zu Zugeständnissen ist von allen Seiten notwendig.“


Die Öffnung der Kindertagesbetreuung im eingeschränkten Regelbetrieb erfolgt mit quantitativen wie qualitativen Beschränkungen. Standards des Kinderbildungsgesetzes können noch nicht wieder erreicht und der Fachkraftschlüssel noch nicht erfüllt werden. Das nordrhein-westfälische Familienministerium hat aber klare Standards für den eingeschränkten Regelbetrieb definiert:

Es gibt nur feste Gruppen, keine offenen Konzepte;

  • in jeder Gruppe wird mindestens eine Fachkraft eingesetzt;
  • die Gruppen sind weiterhin räumlich voneinander getrennt;
  • alle Kontakte müssen nachvollziehbar sein, die Hygienekonzepte eingehalten werden.


Auch für die Kindertagespflege fällt das Betretungsverbot zum 8. Juni. Grundsätzlich können alle Kinder wieder zu ihren Tagespflegepersonen. Da aber in diesem Bereich nicht alle Kräfte zur Verfügung stehen, kann es zu reduzierten Betreuungsumfängen kommen.

Das Familienministerium begleitet den Schritt von der erweiterten Notbetreuung zum eingeschränkten Regelbetrieb mit einem wissenschaftlichen Monitoring in einer Modellkommune. Dabei werden regelmäßig wöchentlich mehrere tausend Kinder und Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen getestet, das Infektionsgeschehen genau beobachtet und ausgewertet.

In einem weiteren wissenschaftlichen Monitoring werden die Schutzmaßnahmen arbeitsmedizinisch untersucht und dabei geprüft, in wieweit die Arbeitsschutz- und Hygienemaßnahmen zum Schutz der Beschäftigten und Kinder greifen.

Familienminister Stamp: „Die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir fest im Blick. Das ist mir sehr wichtig. Darum haben wir nicht nur einen ausreichenden zeitlichen Vorlauf zur Vorbereitung gewählt, sondern werden die Arbeit der Kitas vor Ort konkret unterstützen.“


Dazu zählt:

  • Lieferung von 2 Millionen FFP-2 Masken und 3 Millionen OP-Masken an die Jugendämter als Starthilfe im Rahmen der Arbeitsschutzmaßnahmen,
  • finanzieller Zuschuss an die Träger zum Ausgleich der außerge-wöhnlichen zusätzlichen Belastungen, die durch die Arbeits-schutzmaßnahmen entstehen,
  • telefonische Beratungsstelle für alle Kita-Leitungen, um Fragen zu Hygiene und Arbeitsschutz fachkompetent zu beantworten. Diese Beratung wird bereits ab dem 26. Mai 2020 zur Verfügung stehen.
  • Personalgewinnungsprogramm, mit dem Hilfskräfte für die Kitas gewonnen werden sollen, die die pädagogischen Fachkräfte vor Ort entlasten (z.B. Händewaschen, Schuhe an- und ausziehen usw.).


Familienminister Stamp: „Der Schritt, den wir jetzt gehen, ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Wir gehen ihn planvoll, verantwor-tungsbewusst und unter wissenschaftlicher Begleitung.“

Die Phase des eingeschränkten Regelbetriebs ist zunächst bis zum 31. August 2020 vorgesehen. Auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse wird Mitte August über die nächsten Schritte entschieden.

 


Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Telefon 0211 837-2417.

Dieser Pressetext ist auch über das Internet verfügbar unter der Internet-Adresse der Landesregierung www.land.nrw

 

 

 

 

Informationen für Träger, Leitungen, Personal
von Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen

Öffnung der Kindertagesbetreuung


Ab dem 8. Juni 2020 wird das Betretungsverbot für die Kindertagesbetreuungsangebote in Nordrhein-Westfalen aufgehoben und ein eingeschränkter Regelbetrieb aufgenommen.

Alle Kinder haben dann wieder grundsätzlich einen – allerdings durch die Maßgaben des Infektionsschutzes eingeschränkten – Anspruch auf Bildung, Betreuung und Erziehung in einem Angebot der Kindertagesbetreuung.


Rechtsgrundlage dieses Öffnungsschrittes bleibt weiterhin der Infektionsschutz. Daher handelt es sich um ein sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht eingeschränktes Angebot.


Auf dieser neuen Stufe ist eine Bevorzugung einzelner Personengruppen nicht mehr vorgesehen. Aufgrund der nach wie vor bestehenden Pandemie soll die Betreuung unter Maßgaben des Infektionsschutzes grundsätzlich in eingeschränktem Umfang angeboten werden.

In Orientierung an den jeweiligen Betreuungsverträgen und in Anlehnung an das KiBiz sind dies in Kindertageseinrichtungen in Bezug auf den zeitlichen Betreuungsumfang

  • 15 statt 25 Stunden,
  • 25 statt 35 Stunden und
  • 35 statt 45 Stunden wöchentlich.

Die jeweilige Ausgestaltung obliegt den Einrichtungen. Aspekte des Kinderschutzes und besondere Härtefälle sind in Abstimmung mit dem Jugendamt zu berücksichtigen.

Die maximalen Größen der einzelnen Gruppensettings entsprechen den jeweiligen maximalen Gruppengrößen nach der Anlage zu § 19 KiBiz. Eine Überbelegung ist nur entsprechend den Vorgaben des KiBiz möglich. Neue Überbelegungen sollten möglichst vermieden werden.


Soweit eingeschränkte Personalressourcen dies erfordern, können in den Kindertageseinrichtungen nach Abstimmung mit dem jeweiligen Jugendamt auch geringere Betreuungsumfänge angeboten werden. Soweit die jeweiligen Personalressourcen dies zulassen und eine Überlastung der Gesamtsituation in der Einrichtung ausgeschlossen werden kann, sind in Abstimmung mit dem Landesjugendamt unter Einbeziehung des Jugendamtes auch höhere Betreuungsumfänge möglich.


In der Kindertagespflege erfolgt die Betreuung im Umfang der bestehenden Betreuungsverträge, soweit die besonderen Rahmenbedingungen in personeller und räumlicher Hinsicht vor Ort dies zulassen und eine Überlastung der Gesamtsituation ausgeschlossen werden kann. Soweit es die Gesamtsituation vor Ort erfordert, kann in Abstimmung mit der Fachberatungsstelle eine anteilige Reduzierung der Betreuungsumfänge erfolgen. Entscheidend ist, dass allen Kindern eine Betreuung ggf. auch in einem eingeschränkten Umfang ermöglicht wird.


Es dürfen allerdings keine Kinder betreut werden, die Krankheitssymptome aufweisen. Die Art und Ausprägung der Krankheitssymptome sind dabei unerheblich. Zudem dürfen sie nicht betreut werden, wenn Elternteile bzw. andere Personen aus häuslicher Gemeinschaft Krankheitssymptome von COVID-19 aufweisen. Auch dabei sind Art und Ausprägung der Krankheitssymptome unerheblich.


Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration
des Landes Nordrhein-Westfalen

 

Handlungshilfen für Eltern

Stand 25.03.2020

Handlungshilfen und Schutzmaßnahmen für die Übergabe und Betreuung Ihrer Kinder in der Notbetreuung

Liebe Eltern,

aktuell wird von allen Menschen ein Höchstmaß an Flexibilität und Achtsamkeit gefordert. Die Situation verlangt ein Eingehen auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen, viel Rücksichtnahmen und einige Schutzmaßnahmen.

Uns zeigt sich bislang, dass dieser Herausforderung mit viel Verständnis und Hilfe begegnet wird.

Einige Fragen zu geeigneten Schutzmaßnahmen erreichen uns dazu regelmäßig.
Nachfolgend möchten wir Antworten geben.

 

Wie soll man den Abstand wahren in der Kinderbetreuung?
 „Gibt es besondere Hygieneauflagen für die Notbetreuung und wie setzen wir diese um?“

Liebevolle Fürsorge von Kindern, die Unterstützung und Pflege brauchen, ist mit 2m Abstand nicht machbar. Das ist wohl wahr, dennoch gibt es Möglichkeiten sich innerhalb und außerhalb der Einrichtung achtsam zu verhalten und die Voraussetzungen zu schaffen, dass beispielsweise beim Abholen der Kinder keine Wartesituationen entstehen, wo sich mehrere Familien direkt begegnen.

Was Sie tun können:

  • Im Eingangsbereich vor der Kita finden Sie Markierungen vor, die ermöglichen, einen sicheren Abstand beim Bringen und Holen Ihrer Kinder zu wahren. Bitte nutzen Sie diesen!
  • Übergeben Sie Ihr Kind an der Eingangstür. Nach dem Klingeln treten Sie bitte etwas zurück (Abstand von mind. 1,5 m wahren).
  • Wir bitten um Verständnis, dass das Betreten der Einrichtung von Eltern bis zum 19.04.20 nicht gestattet ist. Die Betreuungskräfte vereinbaren mit Ihnen eine tägliche Abholzeit, in der Sie Ihr Kind im äußeren Eingangsbereich nach einem abwechslungsreichen Spieltag „reisefertig“ wieder übernehmen können.
  • Bitte bringen Sie Ihr Kind nicht, wenn es Krankheitssymptome zeigt!

 

Was wir tun: 

  • In der Einrichtung mehrmals täglich stoßlüften.
  • Mit den Kindern viel rausgehen und, sofern ein abgeschlossener Kita/KiTS-Spielplatz vorhanden ist, diesen ausgiebig nutzen. Dies ist erlaubt, da das Kita/KiTS-Gelände nicht öffentlich ist.
  • Häufig und regelmäßig Händewaschen – z.B. sofort nach dem Bringen der Kinder und auch spielerisch mit den Kindern zwischendurch, die die Spielsachen „baden“ dürfen beispielsweise.
  • Regelmäßiges Desinfizieren und säubern der Einrichtung - auch Klinken oder Schalter, Flächen die häufig von unterschiedlichen Personen angefasst werden.
  • Kinder anleiten, dass sie in die Armbeuge niesen oder husten oder in Taschentücher, die dann sofort in den Müll kommen mit anschl. Händewaschen.
  • Beim Anfassen von Türklinken kann man Kindern gut vermitteln, dass der Ärmel jetzt ihr guter Freund ist und sie lieber den Ärmel über die Handziehen, wenn sie eine Türklinge anfassen.
     

Bitte beachten Sie, hinter jedem berufstätigen Elternteil in kritischer Infrastruktur steht eine ebenso notwendige Kinderbetreuungskraft und bitten um Ihr Verständnis und Ihre Mithilfe, den bestmöglichen Schutz aller zu wahren.

Wir danken Ihnen als Eltern, dass Sie derzeit achtsam „unterwegs“ sind und das Not-Betreuungsangebot nur in Anspruch nehmen, wenn Sie keine andere Form der Betreuungsmöglichkeit organisieren können.

Wir danken Ihnen auch, dass Sie diese großartige Leistung erbringen, im Dienst von uns allen, weiterhin „das System am Laufen“ zu halten – und das mit Obacht!

 

Sonja Becker - Geschäftsführung
Alternative Lebensräume GmbH