Housing First in der Region angekommen

„Du musst von der Straße, sonst stirbst du…“

alf hat für Frauen in Wohnungsnot ein Haus erworben und sucht Unterstützung für die Renovierung

„ … sonst stirbst du“, sagte der Arzt, der Carlas Lungenentzündung behandelte. Die junge Frau lebte auf der Straße oder in Abrisshäusern, war vor ihrem gewalttätigen Partner geflüchtet, konnte ihren damals noch kleinen Sohn nicht mitnehmen. Carla: „Hätte es seinerzeit schon Housing First gegeben, wäre mein Leben und das meines Kindes anders verlaufen.“

Im Jahr 2018 waren 1.000.000 Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen, so die Schätzungen der BAGW (Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V.). Rund ein Viertel davon sind Frauen. Die Dunkelziffer mag viel höher sein. Wohnungslosen Frauen eine Perspektive und somit die Chance zu bieten, wieder selbstbestimmt leben zu können, das ist das Ziel der Hilfe durch Housing First, wobei andere Wege als die bisher üblichen gegangen werden.

Geschäftsführerin Sonja Becker: „Um unser bestehendes Wohnangebot für wohnungslose Frauen zu bereichern und zu erweitern bringen wir den in Deutschland noch wenig verbreiteten, aber sehr vielversprechenden Housing First Ansatz in unsere Region. Im Gegensatz zur herkömmlichen Vorgehensweise im Hilfesystem, in der Wohnungen zeitlich begrenzt und an gewisse Bedingungen geknüpft sind, bietet Housing First eine neue Perspektive: Es besteht von Anfang an ein normales, unbefristetes Mietverhältnis mit allen Rechten und Pflichten. Wohnbegleitende Hilfen werden aktiv angeboten. Betroffene werden dazu ermutigt Probleme mit Unterstützung anzugehen, aber nicht dazu verpflichtet. Dort wo Housing First bereits praktiziert wird, sind die Ergebnisse überzeugend.“

Mit Hilfe des Housing First Fonds, aus dem 20% des Kaufpreises kamen, der sich über den Verkauf von Kunstwerken von Gerhard Richter finanziert, konnte die gemeinnützige Trägerin eine kleine Immobilie am Stadtrand von Siegen erwerben. Das Haus soll nun in Appartements umgebaut werden, sodass 3 bis 4 Personen darin sicher leben können. Das kann eine Mutter mit 1-2 Kindern sein und eine Singlewohnung wird eingerichtet. Damit dies geschehen kann, bittet alf um Spenden für das Projekt in dem gut 100 Jahre alten Haus.

Lisa Assing, Sozialarbeiterin bei alf: „Das Haus muss modernisiert und umgebaut werden. Die Elektrizität muss erneuert werden, ebenso die Heizung. Auch muss das Dach abgedichtet werden, die Bäder sind neu zu machen. Wir brauchen Hilfe für die Entrümpelungsaktion, die zuvor erfolgen muss. Dazu benötigen wir Spenden, um Frauen wie Carla dauerhaft zu helfen. Bei Housing First wissen sie: Hier kann und darf ich bleiben.“

Carla fand einige Jahre später, zum Glück, wie sie sagt, zu alf im teilstationären Wohnen und jetzt finden sie und ihr jetzt volljähriger Sohn langsam wieder Annäherung.

Wer näheren Einblick ins Projekt erhalten oder sich per Spende beteiligen möchte, kann gerne Kontakt aufzunehmen: lisa.assing@alf-siegen.de oder telefonisch: 0177-1626704.

 

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