100. Mietvertrag abgeschlossen – ein starkes Zeichen gegen Wohnungsnot
Seit ihrem Start im November 2022 hat die Landesinitiative gegen Wohnungslosigkeit „Endlich ein Zuhause!“ (EEZ) mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union in Siegen bereits 100 Haushalten dabei geholfen, neuen Wohnraum zu finden. Jetzt wurde der 100. Mietvertrag in Siegen unterschrieben, berichtet Sozialarbeiterin und Projektleiterin Lisa Assing von der Alternative Lebensräume GmbH. Die gemeinnützige Organisation führt gemeinsam mit anderen Hilfsanbietern in Siegen ein erfolgreiches Projekt gegen Wohnungslosigkeit durch – wissenschaftlich evaluiert und vom Kreis Siegen-Wittgenstein gefördert. Dabei arbeiten Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen von Alternative Lebensräume GmbH, Caritas Südwestfalen und Diakonie Soziale Dienste mit Immobilienmaklerinnen und Immobilienmaklern zusammen. So ergänzen sich die Fachbereiche perfekt, um Menschen zu helfen.
Viele Familien und Alleinerziehende mit Kindern betroffen
Zu den 100 vermittelten Haushalten gehören laut der Ermittlung durch die Alternative Lebensräume GmbH 52 Singles, 5 Paare, 14 Familien, 2 Geschwisterpaare und 27 Alleinerziehende. In 42 der Haushalte lebten insgesamt mehr als 80 Kinder. Eine der größten Schwierigkeiten der Menschen in Wohnungsnotlagen sei die finanzielle Absicherung. Ein häufiger Auslöser einer Wohnungsnotlage sei eine Trennung, wenn der Lebensunterhalt der Personen nicht gesichert ist. In dem Fall müssten Zuständigkeiten für die Beantragung sozialer Leistungen geklärt werden, berichtet das EEZ-Team. „Ein weiterer Grund für Wohnraumverlust oder das Erhalten eines neuen Mietvertrages ist, dass Bürgergeld, Wohngeld oder Unterhaltsvorschüsse viel Zeit zur Bearbeitung benötigten“, berichtet Lisa Assing. Doch auch Kündigungen, Räumungsklagen, Eigenbedarf oder schlicht unzumutbare Wohnverhältnisse führten in Notlagen.
Zwischen Hoffnung und Ernüchterung in einer Universitätsstadt
Gerade zum Semesterbeginn zeigt sich, wie angespannt der Siegener Wohnungsmarkt ist. Viele Bewerbungen treffen auf zu wenige Wohnungen, und wer eine negative Schufa hat, wird oft gar nicht erst berücksichtigt. „Viele verlieren irgendwann den Mut, weil sie nur Absagen erhalten oder gar keine Rückmeldung bekommen“, berichtet das EEZ-Team. Hinzu kommt, dass selbst bei einer Wohnungszusage manchmal eine Chance ungenutzt bleiben muss, weil, wie bereits erwähnt, die Bearbeitung von Anträgen zu lange dauert, oder – wie in einem Fall – die Wohnung für eine Förderung um lediglich 23,00 Euro zu teuer war. Umso erfreulicher ist dieser 100. Mietvertrag, der zeigt, dass es gelingen kann.
Wege aus der Wohnungsnot bieten Vermietende mit sozialem Engagement
Denn es gibt Vermietende, die bereits mehrfach Menschen aus dem Projekt eine Wohnung zur Verfügung gestellt haben. Von den bisher in Siegen vermittelten Wohnungen stammen 33 von privaten Eigentümerinnen und Eigentümern, 67 aus dem Bestand von Wohnungsbaugesellschaften oder Genossenschaften. Auffällig: Immer mehr Vermietende handeln aus sozialer Verantwortung – oder vertrauen auf das Konzept der „Kümmerer“. Die Suche nach neuem und bezahlbarem Wohnraum will gut vorbereitet sein, heißt es aus dem EEZ-Team: „Wir bereiten die Bewerbungen professionell vor, unterstützen bei der Zusammenstellung der Unterlagen, Schufa oder Einkommensnachweisen – und begleiten auch zu Wohnungsbesichtigungen. „Wir sehen den Prozess wie eine Bewerbung um einen Job: Wer gut vorbereitet ist, hat bessere Chancen“, so das Team. Gelingt der Vertragsabschluss, werden die Klientinnen und Klienten nicht alleine gelassen. „Wir sind weiterhin für die Mietenden und auch für die Vermietenden da und helfen bei Konflikten oder wenn Mietrückstände oder bürokratische Hürden drohen. Vermietende profitieren ebenfalls, denn die „Kümmerer“ sorgen dafür, dass die finanzielle Basis gesichert ist, helfen bei Kautionsfragen oder empfehlen eine Abtretungserklärung, um die Mietzahlung direkt zu garantieren. Das EEZ-Team konnte zudem bereits Mietverhältnisse für 10 Wohnungen erhalten, durch Vermittlung und Klärung zwischen den Mietparteien. So konnten Räumungsklagen vermieden werden.
Ein Appell an alle Betroffenen und an Vermietende
Menschen, die vom Verlust ihrer Wohnung bedroht sind, rät Lisa Assing und ihre Kolleginnen und Kollegen: „Frühzeitig handeln!“ Am besten sofort bei den Projektanbietenden von „Endlich ein Zuhause!“ melden, Schufa-Auskunft und Wohnberechtigungsschein beantragen, sich auf Wartelisten der Wohnungsgenossenschaften setzen lassen – und trotz Rückschlägen nicht aufgeben. Die Landesinitiative „Endlich ein Zuhause!“ kann helfen. Vermietende, die Mietrückstände zu beklagen haben, können sich auch an EEZ wenden, um den belastenden Prozess einer Räumungsklage abzuwenden. In dem Fall können die „Kümmerer“ auch beratend tätig werden. Lisa Assing: „Wir verstehen uns als Brücke zwischen beiden Seiten. Das gibt Sicherheit – und verhindert, dass aus kleinen Problemen wieder Wohnungslosigkeit entsteht.“
Ein gutes Signal für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe
„Endlich ein Zuhause!“ beweist, dass Engagement, Vernetzung und Empathie entscheidende Schlüssel im Kampf gegen Wohnungsnot sind. Doch klar ist auch: Der Wohnungsmarkt insgesamt bleibt angespannt, wenn landesweit 1,4 Mio. Wohnungen fehlen (Pestel-Institut). Durch langfristige Kooperationen zwischen Fachstellen, Vermietenden und Hilfsorganisationen können Menschen, die in Not geraten, eine echte Chance auf ein neues Zuhause erhalten. Das gilt nicht nur für den Kreis Siegen-Wittgenstein, auch im Kreis Olpe wird die Landesinitiative angeboten. Dort sind die „Kümmerer“: Alternative Lebensräume GmbH, Katholisches Jugendwerk Olpe e.V. FÖRDERBAND und der Kreis Olpe.
Foto: Gemeinsam stark gegen Wohnungslosigkeit – das EEZ-Team Siegen mit Alexander Rode (alf), Christin Schilling (Caritasverband Südwestfalen), von der Diakonie Soziale Dienste Stefanie Schneider und Johannes Schmidt, sowie Lisa Assing (alf)
