Mit Housing First Menschen dauerhaft aus der Obdachlosigkeit helfen

Die Trägerin Alternative Lebensräume GmbH hat mit ACAR Immobilien GmbH aus Siegen einen engagierten Partner für das Projekt Housing First gefunden. Die Trägerin bietet seit 2021 bereits 15 Menschen aus der Obdachlosigkeit heraus dauerhaften Wohnraum in den von ihr betriebenen Immobilien. Seit 2024 begleitet sie eine weitere Person in einer Wohnung der ACAR Immobilien GmbH. Jetzt trafen sich zu einem Ortstermin Geschäftsführer Sirac Acar, seine Mitarbeiterin Chiara Irlich und die Projektleiterin Lisa Assing der Trägerin in einem kernsanierten Haus in Siegen, das eigens für das Projekt durch Sirac Acar erworben und modernisiert wurde. Es wird vier wohnungslosen Menschen ein neues Zuhause bieten können: 35 bis 40 Quadratmeter für eine neue Perspektive und Abschied von einem Leben in Ungewissheit.

Das Mehrfamilienhaus mit einem Garten stand einige Jahre leer. Es ist in eine gute Infrastruktur eingebettet, und die vier Wohnungen wurden umfassend und einladend kernsaniert. Sämtliche Leitungen wurden erneuert, Böden und Wände erstrahlen. Licht durchflutet die Räume. Durch das Projekt Housing First wurde dies durch eine Förderung möglich. Die sorgt auch für eine soziale Mietpreisbindung, sodass hier eine sozialverträgliche und bezahlbare Miete angeboten werden kann.

„Der soziale Aspekt ist mir sehr wichtig.“

So beschreibt der seit 2017 in Siegen tätige Immobilienunternehmer Sirac Acar seine Motivation, sich im Rahmen von Housing First zu engagieren. Neben der Vermietung von mehreren hundert Wohnungen bietet sein Unternehmen auch zahlreiche mietpreisgebundene Wohnungen an, wenngleich aufgrund auslaufender Bindungen – wie überall in Deutschland – in den kommenden Jahren einige davon wegfallen werden.

„Die Kosten für Bauen, Sanieren und Energie sind so stark gestiegen, dass sich soziale Angebote dieser Art kaum noch im bisherigen Umfang aufrechterhalten lassen“, erklärt Acar. Umso wichtiger seien Projekte wie Housing First. „Uns ist die prekäre Wohnungssituation in Siegen sehr bewusst. Deshalb prüfen wir gezielt Möglichkeiten, Leerstände zu reduzieren, etwa indem wir Gewerbeflächen in Wohnraum umwandeln oder bestehende Gebäude aufstocken und ausbauen.“

Bevor Sirac Acar in die Immobilienbranche einstieg, arbeitete er als Handwerksmeister im Bereich Sanitär- und Elektrotechnik. Zudem ist er seit 2009 beurkundeter Streitschlichter. „Als Flüchtlingskind kenne ich das Gefühl, keinen eigenen Ort zu haben und nicht zu wissen, wohin.“ Im Alter von drei Jahren kam er mit seiner Familie ins Kreisgebiet und lebte zunächst mit vielen anderen Menschen auf engem Raum in Containern. Das Thema Wohnen prägte ihn daher schon früh.

„Heute motiviert mich vermutlich auch meine eigene Geschichte. Ich bin dankbar, dass ich nun in der Lage bin, anderen Menschen die Tür zu einem neuen Zuhause zu öffnen“, sagt Sirac Acar, der in Siegen seine Heimat gefunden hat.

Unter dem Gedanken „Zu wissen, wohin“ steht eine Kernaufgabe der sozialen Trägerin, die seit 1990 Obdachlosigkeit in Siegen bekämpft. Lisa Assing: „Wir bieten verschiedene Hilfen an, die diverse Bedingungen und Beantragungen benötigen. Bei Housing First haben wir gleich mehrere Vorteile durch das vereinfachte Beantragungsverfahren. Oft sind Förderprogramme sehr kompliziert, das ist hier nicht so. Auch ist der Housing-First-Ansatz in der Wohnungslosenhilfe ein anderer. Hier wird zuerst die Wohnungslosigkeit durch Vermittlung in Wohnraum behoben. Die Betroffenen erhalten einen unbefristeten und regulären Mietvertrag. Sozialpädagogische Hilfe wird ihnen zusätzlich angeboten, muss aber nicht angenommen werden. Wir sind auch für Wohnungsgebende Ansprechpartner, die über Housing First sozialgebundenen Wohnraum zur Verfügung stellen möchten, und unterstützen bei der Beantragung der Förderung.“


Bis 2030 gehen in Siegen fast 70% der Sozialwohnungen verloren

Diese 70%-Verlust auf dem preisgebundenen Wohnungsmarkt ergab eine Studie der NRW.Bank. Seit 2021 sind die Mieten in der Stadt Siegen um 16% gestiegen, zeigt die Empirica-Preisdatenbank. Um die wenigen bezahlbaren Mietwohnungen konkurrieren verschiedene Gruppen, deren Haushaltseinkommen gering ist, wie zum Beispiel Studierende, Alleinerziehende und ältere Personen, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Lisa Assing: „Da haben es obdachlose Menschen noch schwerer, überhaupt an Wohnraum zu gelangen.“ Housing First ist nicht nur in Siegen ein wichtiger Baustein gegen Wohnungsnot. Deutschlandweit sind nachhaltige Erfolge erzielt worden. Laut einer Einschätzung des Bundesverbands Housing First e. V. (11/2025) konnten im gesamten Bundesgebiet in den letzten zehn Jahren etwa 1.500 obdachlose Menschen über das Projekt in eigenen Wohnraum vermittelt werden. Über 90% der Mietenden halten ihr Mietverhältnis langfristig, und ihre gesundheitliche sowie soziale Situation verbessere sich.

Das kann auch Lisa Assing bestätigen. Alle vermittelten Personen aus Siegen sind nach wie vor Mieterinnen und Mieter. Sie appelliert an Wohnungsgebende, die sich für eine Förderung im Rahmen von Housing First interessieren und auch ein Zeichen für soziales Wohnen setzen wollen, Kontakt für ein unverbindliches Gespräch aufzunehmen (0271-3846260 oder 01578-0913926 und lisa.assing@alf-siegen.de).

Bild: Tür für neue Chancen offen - ACAR Immobilien GmbH mit Sirac Acar und Chiara Irlich, Alternative Lebensräume GmbH mit Stefanie Edenhauser, die zwei Interessenten mitbrachte, und Lisa Assing.

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