Sonja Becker im Interview zu 20 Jahre Herzklopfen

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Das Eingangsfoto stammt aus dem Jahr 2011, als die Aktion Herzklopfen im 5. Jahr angeboten wurde. Ein noch früheres Bild Ihres Engagements wurde nicht gefunden – immerhin reicht die „Aktuell-Chronik“ auf der alf-Website bis in dieses Jahr zurück.

Auf dem Foto sieht man auch das Plakat und das Herzklopfen-Logo. Beides steht nach wie vor für die Aktion.

Wenn Sie heute zurückblicken: Hätten Sie 2007 gedacht, dass die Aktion so lange besteht und in dieser Zeit 13.000 Wünsche erfüllt? Das 20. Jubiläumsjahr ist dabei noch nicht mitgezählt.

Sonja Becker: „Nein, ehrlich gesagt hätte ich mir das damals nicht vorstellen können. Am Anfang stand ein ganz einfacher Gedanke: Kinder aus Familien mit wenig Geld sollten an Weihnachten spüren, dass jemand an sie denkt und ihnen einen Herzenswunsch erfüllt. Wir haben in Siegen klein angefangen, mit einigen Geschenken und viel Zuversicht. Unser Bürgermeister hat sofort zugesagt, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Schnell kamen Bürgerinnen und Bürger dazu, die mitmachen wollten.

Ich weiß noch gut, wie berührend es war, die vielen Geschenke entgegenzunehmen. Jedes war mit so viel Liebe verpackt, und keines glich dem anderen. Mit einer anfangs noch kleinen Kolonne an Ausfahrteams haben wir sie dann zu den Familien gebracht. Mit dem kleinen PKW die verschneiten Berge Siegens hinaufzukommen, war jedes Mal ein kleines Abenteuer. Bei der Logistik haben wir in all den Jahren sehr viel dazugelernt.

Am meisten bewegt hat mich, dass ich die Freude von zwei Seiten miterleben durfte. Da waren die Menschen, die mit großer Hingabe genau den Wunsch eines bestimmten Kindes erfüllt haben. Und da waren die Kinder, die ihr Geschenk schon vor Weihnachten von uns bekamen und es trotzdem noch nicht öffnen durften. Dieses Leuchten in ihren Augen vergesse ich nicht. Wunderschön waren auch die kleinen selbstgemalten Bilder, Gedichte und Grüße, mit denen sich die Kinder bedankt haben und die wir an die Schenkenden weitergeben durften.

Dass aus dieser kleinen Aktion 20 Jahre geworden sind, mit mehr als 13.000 erfüllten Wünschen und so vielen Menschen, die heute mitmachen, berührt mich sehr. Ich bin dankbar, ein Teil dieser Kette zu sein. Sie zeigt, wie viel Wärme entsteht, wenn viele Menschen gemeinsam etwas bewegen.“

Es ist schön, dass es die Aktion gibt. Aber ist es nicht auch traurig, dass sich an der Armut von Kindern in Deutschland kaum etwas geändert hat? Laut Armutsgefährdungsquote ist jedes fünfte Kind betroffen (Bertelsmann Stiftung). In den letzten 20 Jahren gab es zwar Schwankungen, aber keine grundlegende Verbesserung.

Sonja Becker: „Ja, das stimmt mich nachdenklich und manchmal auch traurig. Herzklopfen kann die Armut von Kindern nicht beseitigen, und dafür war die Aktion auch nie gedacht. Für Kinder bedeutet Armut ja nicht nur, dass Geld fehlt. Sie bedeutet oft auch, nicht dazuzugehören, sich zurückzunehmen und auf vieles zu verzichten, was für andere selbstverständlich ist. Ein Geschenk ändert daran nichts Grundsätzliches. Aber es sagt einem Kind: Du wirst gesehen, du bist nicht vergessen, und es gibt Menschen, denen du wichtig bist. Diese Botschaft kann viel bewirken.

Gerade weil sich in den letzten 20 Jahren so wenig grundlegend verbessert hat, dürfen wir nicht lockerlassen. Wir müssen das Thema immer wieder ansprechen und Politik und Gesellschaft an ihre Verantwortung erinnern. Gleichzeitig dürfen wir die Kinder, die heute betroffen sind, nicht allein lassen. Mich motiviert, dass so viele Menschen in Kreisgebiet Siegen – Wittgenstein jedes Jahr wieder mitmachen und sich zwischenzeitlich auch noch weitere Städte und deren Bürgermeister als Schirmherren der Aktion angeschlossen haben. Diese Solidarität gibt mir Hoffnung. Solange Kinder darauf angewiesen sind, machen wir weiter, mit ganzem Herzen.“

Das Foto unten zeigt eine Spendenübergabe im 10. Jubiläumsjahr durch die Firma Dornseiff.

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